Frisches Neckarwasser für unser Hausgewässer
Der Inselesee ist ein ehemaliger Baggersee mit steilen Ufern und ohne Zu- oder Abfluss. Sein Wasser wird nur über Regen und Grundwasser erneuert. In heißen Sommern sinkt der Wasserstand, das Wasser erwärmt sich stark und Algen blühen. Im Sommer 2018 führte das zu einem schweren Fischsterben: Über 300 kg Fische verendeten im Inselesee, vor allem Zander, Brachsen und Karpfen. Selbst große Welse überlebten nicht.
Damit sich das nicht wiederholt, haben wir gemeinsam mit der Stadt Nürtingen einen Zulauf vom Neckar, einen regelbaren Ablauf und eine Flachwasserzone mit Schilf geschaffen – das meiste davon in ehrenamtlicher Arbeit. Die Ziele sind ein stabiler Wasserstand, mehr Sauerstoff im See, kein Fischsterben mehr und neuer Lebensraum für Tiere und Pflanzen.
Der Weg des Wassers
In einem Pumpenschacht aus Betonringen direkt am Neckar saugen zwei Pumpen das Flusswasser an. Sie arbeiten redundant: Fällt eine aus, läuft die andere weiter. Rückschlagventile halten die Leitung gefüllt, den Strom liefert ein Erdkabel. Von dort führt eine unterirdische Leitung im Freispiegel durch die Wiese zum See. Am Seeufer sitzt ein Kontrollschacht, über den die Leitung gewartet und freigespült werden kann. Ein Abzweig nach Westen ist bereits bis zur Markungsgrenze Neckartailfingen vorgebaut – für einen späteren Anschluss des Tiefenlochsees.

Das Neckarwasser tritt auf Höhe des Normalwasserstands von 277,00 m ü. NN in den See. Wasserbausteine sichern dort die Böschung, die Strömung bringt Sauerstoff ins Wasser. Gleich daneben liegt die neue Flachwasserzone mit rund 800 m². Hier haben wir den Faulschlamm abgesaugt, Kies eingebracht und die Ränder flach ausgebildet. Bei rund 40 cm Wassertiefe wächst Schilf: Es entzieht dem See Nährstoffe und bietet Jungfischen Verstecke.

Den Wasserstand regelt ein Mönch, ein Betonfertigteil mit Holz-Staubohlen und Edelstahlrechen. Über die Bohlen wird die Stauhöhe eingestellt, überschüssiges Wasser fließt über den neuen Auslaufgraben zurück in den Neckar. An der Pegellatte am neuen Steg lesen wir den Wasserstand ab und dokumentieren ihn. So lässt sich steuern, wann gepumpt und wie der Mönch eingestellt wird.
Eigenleistung des Vereins
Den Zulauf, die Flachwasserzone, den Mönch und den neuen Steg haben unsere Mitglieder von November 2024 bis Mai 2025 fast vollständig in ehrenamtlicher Arbeit gebaut. Den Anfang machte der Faulschlamm, den wir mit einer Motorpumpe vom Boot aus abgesaugt und in Filtersäcken in IBC-Boxen entwässert haben. Danach wurde das marode Betonfundament des alten Stegs abgebrochen, der Leitungsgraben gezogen und die Saugleitung mit der Erdrakete unterirdisch zum Neckar vorgetrieben – ganz ohne Eingriff ins Ufergehölz. Die Schachtringe für den Pumpenschacht wurden teilweise bis in die Nacht gesetzt.
Für die Flachwasserzone haben wir rund 200 m³ Neckarkies von der Baustelle Millot, einem Neckaraltarm der Stadt, eingebracht. Den Teleskoplader dafür hat uns Gabelstapler Wallisch kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Januar 2025 wurden die Pumpen eingebaut, im Februar folgten der Mönch, die Ablaufleitung und die Ufersicherung mit Dolomit-Wasserbausteinen. Im Mai 2025 waren der neue Steg fertig und das erste Schilf gepflanzt.
Der Auslaufgraben der Stadt Nürtingen
Statt das Wasser aus dem Inselesee nur durch ein Rohr in den Neckar zu leiten, hat die Stadt Nürtingen von Juli bis Oktober 2026 einen naturnahen, offenen Graben angelegt. Die ökologische Aufwertung wird dem städtischen Ökokonto gutgeschrieben – als Ausgleich für künftige Eingriffe an anderer Stelle. Laut Genehmigungsplanung bringen Graben und Flachwasserzone zusammen 21.090 Ökopunkte. Geplant und überwacht hat die Lachenmann Landschaft GmbH, gebaut hat Schäfer Galabau.
Der rund 78 m lange Graben verläuft geschwungen und ist mit Lehmschlag abgedichtet. Am Wasser wächst künftig eine Hochstaudenflur, auf den Flächen daneben eine Nasswiese. Ein Feldgehölz aus Trauben- und Schwarzem Holunder, Pfaffenhütchen, Vogelkirsche und Hasel ergänzt die Pflanzung. Das Rohr zum Neckar hat eine Rückstauklappe, Ein- und Auslauf sind mit Wasserbausteinen gesichert. Den Kies aus dem Grabenaushub haben wir direkt in die Flachwasserzone eingebaut.
Auch hier hat der Verein mitgeholfen: Beim Arbeitsdienst im Juli 2026 haben wir Schilf gepflanzt, im Oktober 2026 kamen Totholzhaufen, eine Steilwand und ein Eidechsenhabitat aus Steinhaufen, Sandfläche und Totholz dazu. Diese Strukturen bieten Eidechsen, Insekten und anderen Kleintieren Verstecke und Sonnenplätze. Die Pflege übernimmt der Verein.
Der Ablauf im Überblick
- 16.11.2024: Faulschlamm in der künftigen Flachwasserzone abgesaugt
- 22.11.2024: Altes Stegfundament abgebrochen
- November 2024: Zulaufleitung und Kontrollschacht verlegt
- 23.11.2024: Saugleitung mit der Erdrakete zum Neckar, Pumpenschacht gesetzt
- Dezember 2024 bis Februar 2025: Rund 200 m³ Kies für die Flachwasserzone
- 14.01.2025: Pumpen eingebaut, Zulauf in Betrieb
- Februar 2025: Mönch und Ablaufleitung gesetzt
- Mai 2025: Neuer Steg fertig, erstes Schilf gepflanzt
- 02.07. bis 27.07.2026: Bau des Auslaufgrabens durch die Stadt Nürtingen
- Oktober 2026: Einsaat, Pflanzung, Totholz und Eidechsenhabitat
- Donnerstag, 15.10.2026: Einweihung
Zusammenfassend lässt sich sagen: Mit dem neuen Zu- und Ablauf ist der Inselesee kein stehendes Gewässer mehr. Frisches Neckarwasser, ein regelbarer Wasserstand und neue Flachwasser- und Uferbereiche machen ihn widerstandsfähiger gegen heiße Sommer und schaffen neuen Lebensraum für Fische, Amphibien, Reptilien und Insekten.
Unser herzlicher Dank gilt allen Helferinnen und Helfern im Verein sowie der Stadt Nürtingen für die gute Zusammenarbeit, der Lachenmann Landschaft GmbH, Schäfer Galabau, Gabelstapler Wallisch und Willi's Garage.










